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Streckenflug Nr. 2001/01:

Mainz - Kell - und zurück

oder: Der Kampf zwischen Streckenflug und Rückholtour um das ereignisreichste Erlebnis

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170149 BytesZum ersten Mal im Jahr schien es brauchbares Wetter zu geben. Na ja, wie man im OLC sehen kann, sind tatsächlich auch schon Leute früher geflogen, aber als Anfänger wartet man doch auf eindeutiges. Die Strecke hatte sich Turhan für uns ausgedacht: Ein FAI-Dreieck über 312 km. Das Segelfluggelände Kell und der Flugplatz Schweighofen sollten unsere Wendepunkte sein. Gesagt, programmiert, und schon hatten die Volkslogger die Aufgabe akzeptiert. (Die LX4000 waren da etwas störrischer aber gaben kurz vor dem Start doch noch nach.) Vorgenommen hatte ich mir die Strecke mit der LS4-b D-4104 "MZ", Martin Heiden mit der DG 303 D-4005 und Thomas Dickhoff mit der LS3-a D-4575 "SA", alles Vereinsmaschinen.

Das Wetter war bei einem Achtel Cumuli in 1700 m MSL, leichtem Ostwind und einer Sicht rund 15 km nicht gerade als ideal zu bezeichnen, aber doch vielversprechend genug, um sich vom Platz lösen zu können.

Thomas war vor uns gestartet und alleine fortgeflogen. Mein Start erfolgte recht spät, viertel vor eins Ortszeit, Martins startete noch später und sogar zwei mal. Weil direkt am Platz das Wetter eher schwierig war, ging auch ich sofort auf Kurs um schnell so weit westlich zu kommen, daß ich in der Höhe nicht mehr durch Luftraum Charlie beschränkt war. Dazu verhalfen mir unter anderem Michael Grundmann, der mit der Ka 6 E auf seinem 50 km-Flug nach Idar-Oberstein war, und Egon Luckas, der mit einem Schüler in der ASK 13 und über Ingelheim einen schönen Bart markierte.

Ab Pferdsfeld dann, wo ich mich entschloß auf Martin nicht mehr länger warten zu können, lief's annähernd lehrbuchmäßig. Die Wolken waren zwar flach, aber dafür eindeutig und boten immer gutes Steigen. Aber dem Erbeskopf dann wurden sie aber doch plötzlich sehr flach und weiter westlich auf Kurs war es dann ganz blau. Für wie weit war aufgrund der schlechten Sicht nur schwer zu erkennen. Ich entschloß mich, an der Aufgabe festzuhalten und weiter Richtung Kell ins Blaue zu fliegen. Das begann ich doch bald zu bereuen, spätestens als ich Kell mit Hilfe des Volksloggers - das GPS des LX4000 hatte sich schon am Erbeskopf verabschiedet - zwar gefunden hatte, aber mich nur noch 500 m drüber befand.

Am Sendemast "Teufelskopf", auf einem kleinen Höhenzug südwestlich des Segelfluggeländes gelegen, fand ich dann den rettenden Bart, der mich auf eine Höhe von 1400 m trug. So vom Wetter in die Realität zurückgeholt, entschloß ich mich, die Aufgabe an dieser Stelle abzubrechen und nach Mainz zurückzufliegen. Das kleine Höhenpolster erschien mir ausreichend, mich wieder zurück nach Osten zu wagen, wo ich das gute Wetter verlassen hatte. An der Autobahn zwischen Hermeskeil und Nonnweiler fand ich dann einen weiteren Bart im Blauen, der mich auf 1560 m hob. Das sollte mir reichen, um es immerhin noch bis nach Idar-Oberstein zu schaffen, wo ich, unterwegs von Zonen leichten Steigens unterstützt, in 250 m über Platz auch ankam. Schon fast in der Platzrunde zeigte mir eine ASK 21 über der Stadt den wiederum rettenden Bart, der, mit Unterbrechungen, mich auf 1360 m brachte. Östlich sah das Wetter wieder besser aus, will heißen mit Wolken, oder zumindest -fetzen. Eine davon wagte ich anzufliegen, die mir dann auch als Sprungbrett zu einer weiteren diente, die mir über Kirn wieder eine komfortable Höhe von 1500 m MSL schenkte.

Gerade da angekommen erreicht mich Martin im Funk: "Weißt Du, ob in Sobernheim eine Schleppmaschine ist?" - "Wieso?" - "Ich liege hier in Kirn und kann nur an der Winde starten und abgleiten. Die aus Idar-Oberstein ist kaputt." - "Nö, keine Ahnung." - "Okay, dann probier' ich's noch mal." Irgendwie beschlich mich das Gefühl, das Segelfluggelände von Kirn an diesem Tag noch mal vom Boden aus zu sehen.

Mein Problem war's aber erst mal nicht, mit diesem Wetter lief's wieder wie am sprichwörtlichen Schnürchen. Knapp hinter Pferdsfeld ging ich auf unter 5000 ft, die zu dieser Zeit für die Sektoren Alzey und Bingen freigegebenen Höhe. Meiner überschlägigen Rechnung nach sollte das auch für den Endanflug genügen. Über Langenlonsheim, als ich durch Fahrtwegnehmen in einem großen Steiggebiet noch etwas Höhe gutmachen konnte, bestätigte sich das, als das LX4000 sich selbst mal wieder und mir einen bequeme Höhe über Gleitpfad nach Mainz meldete. Recht sollte es behalten, in der vorhergesagten Höhe kam ich über dem Kompostwerk an, flog in die Platzrunde ein und landete - zu meiner besonderen Verwunderung ohne das Fahrwerk vergessen zu haben.

Als wir die LS4 gerade am Start vorbeischieben höre ich Axel, der von Thomas die SA übernommen hatte, für Martin Relais spielen. Er liege in Kirn und wolle mit dem Hänger geholt werden. Meine Vermutung holte mich ein. Flugs saß ich mit Ruru in Martins BMW, den Hänger der DG 303 hintendran, und machte mich auf den Weg. Dieser führte uns erst mal zur Finthener Elf-Tankstelle, um die Tankanzeige wieder aus der Reserve-Ecke herauszulocken. Den Wagen so und mich selbst mit einem Schokoriegel gestärkt fuhren wir weiter gen Nahe und dann dieselbe entlang.

Kirn selbst zu finden war dann auch gar kein Problem. Von der Hauptstraße wies sogar ein Schild links ab zum Segelfluggelände, das hoch über und rechts der Nahe liegt. Kurz danach vor die Wahl, ob rechts oder links, gestellt, entschied ich aufgrund eines schon etwas verwitterten Schildes, wiederum zum Flugplatz weisend, für rechts. Ein Fehler. Der Feldweg führte erst über eine schmale Holzbrücke und dann auf einen Sportplatz. Das versammelte Publikum des Sonntagnachmittagsspiels schickte uns dann, nachdem wir es auf dem Parkplatz knapp zu wenden schafften, zurück um an der fehlerträchtigen Verzweigung die andere Richtung zu wählen. Die Straße führte, wiederum über eine schmale Brücke, in einen Ortsteil von Kirn und verzweigte sich wiederum. Rechts ging's weiter rein in den Ort, links auf einem guten Feldweg wieder hinaus. Wir wählten links und waren - wieder falsch. Darauf machten uns Spaziergänger am Ortsrand aufmerksam, die dann auch Zeugen eines 180-Wendemanövers unter Zuhilfenahme eines kleinen Stücks einer Baustelle. (Der Vollständigkeit halber muß man erwähnen, daß ich eigentlich nur Beifahrer und Einweiser war und Ruru den schwierigeren Teil hatte. Dafür mußte ich an fast jeder Ecke aussteigen, um das Heck des Hängers im Blick zu behalten.) Der Weg in die Gegenrichtung führte erst durch den Ort, und dann in den Wald, und dabei hinauf. Hoch hinauf. Das Segelfluggelände Kirn liegt mehr als 220 m über dem Fluß. Fünf bis sechs Kilometer wendeunmöglichen Weges weiter begannen wir uns dann doch Gedanken zu machen. Mangels Alternative fuhren wir aber weiter. Und weiter. Und weiter, bis wir, wir wagten kaum daran zu glauben, an der Winde ankamen.

Von da ab war die Sache wieder ein Kinderspiel. DG abbauen, Martin einladen und noch schnell eine Wegbeschreibung für den Rückweg einholen. "Was? Ihr seid den alten Weg gefahren? Ach ja, an Hexennacht haben wohl welche die Schilder ab- und umgehängt. Es gibt jetzt einen neuen Weg, weil der alte mit Hänger fast nicht zu fahren war." Ach was.

Martin hatte in der Nähe von Kirn den Anschluß verloren gehabt, ist zu drei Kirner Maschinen in einen Bart über dem Platz eingestiegen, und in diesem Pulk in Kirn gelandet, wenn auch in der falschen Hälfte. Nachdem er mich über Funk gerufen hatte, konnte er einen "Kurzstart" an der Winde auf 200 m machen, um in der richtigen Platzhälfte zu landen, und machte von dort aus einen weiteren Versuch, wieder wegzukommen, was aber nicht gelang. Bis zu unserer Ankunft hatte er dann immerhin noch genug Zeit gehabt, die Maschine zu waschen und abbaufertig zu plazieren.


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